Berth-Escriva, Stephanie - Edition Ecrilis

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Berth-Escriva, Stephanie

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Fantasy auf höchstem Niveau - dafür steht der Name der charmanten Wahlfranzösin. Bereits mit ihrer Novelle "Waldläufer" (demnächst im neuen Format bei uns) wusste sie ihre Leser zu überzeugen. Das Werk "Die Legenden aus Merim" zeigt hingegen sehr deutlich, was in ihr steckt. Für uns Grund genug, um die Autorin an dieser Stelle einmal ausführlich vorzustellen.


Das Interview

Ecrilis: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Stephanie Berth-Escriva: Ich denke mir Geschichten aus, solange ich denken kann. Vielleicht kommt das daher, weil wie ein Einzelkind gelebt habe. Meine Schwester kam zur Welt, als ich bereits neun Jahre alt war.  In meiner ausgedachten Welt spielten sich die Abenteuer wie in Fortsetzungsgeschichten ab. Von klein auf dachte ich mir grundlegen unterschiedliche Geschichten aus. Das konnte eine amüsante Familienkomödie einer vielköpfigen Familie sein, oder abenteuerliche Begebenheiten von Robin Hood inspiriert im Wald. Pferde waren sehr wichtig, sie hatten ihre eigene Persönlichkeiten, ihren Mut und Eigensinn.
Weiße Papierblätter dienten in meinen Kinderaugen dafür, Geschichten zu erzählen. Also fing ich früh an, mit Bleistift Szenen zu skizzieren und zu zeichnen, die wie Comics die Geschichten darstellten, die in meinem Kopf waren. Später kam die Freude des Lesens dazu und mir war bald klar geworden, dass die Welt der geschriebenen Geschichten freier ist als die Welt der Filme.  Außerdem war mir aufgefallen, dass die wenigsten Leute einander zuhören und es im alltäglichen Leben schwierig ist, seine Gedanken und Idee klar und verständlich mit anderen zu teilen. Es erschien mir also logisch, dass andere Menschen das auch so empfanden und aus diesem Grund Bücher schrieben. Langeweile im alltäglichen Leben ist leider für viele ein Faktor, also ist es nur normal, dass man Bücher lesen und schreiben will. Das Interessante daran ist, dass ich in meinem Leben diese Langeweile gegen ständiges Beobachten und Sammeln von Eindrücken ausgetauscht habe. In meinem Brotjob zum Beispiel beobachte ich die Menschen, ihr Verhalten, ihre Mimik, wie sie miteinander umgehen. Ich arbeite seit fast zwanzig Jahren im Verkauf von Luxusartikeln in Boutiquen in Paris.
Oder wenn in der sogenannten Freizeit kein Budget für interessante Ausflüge da ist, dann konzentriere ich mich auf das Joggen, das Beobachten der Natur, den Wandel der Jahreszeiten. So kam ich wahrscheinlich zum Fotografieren, denn der Blick schult sich dabei und ich liebe Details, wie sich das Licht über verschlafenem Moos unter einer frühen Wintersonne spaltet und der Wald dabei atmet. Das kann ein Detail in einer Geschichte sein, oder ein wunderschönes Motiv für ein Foto werden.

Ecrilis: Was sind Ihre literarischen Vorbilder?
S. B.-E.: Spontan fällt mir zu dieser Frage Hemingway ein, ein mutiger Journalist, der seinen Beruf aufgegeben hat, um sich in Paris niederzulassen und dort seine eigenen Geschichten zu schreiben. Ich lebe selbst in Paris und kenne diese Stadt sehr gut. Eine schwierige Stadt, aber wunderschön. Paris est une fête – Paris ist ein Fest, und hier wird einem schnell klar, von nichts kommt nichts, aber wenn man alles gibt und es zum Feinsten meistert, dann lohnt es sich.
Dann mag ich besonders Peter Handke, der so herrlich erbarmungslos und kompromisslos lebt und schreibt. Der wohnt auch hier in dieser Umgebung. Ich würde ihn gerne mal kennenlernen und ihm zuhören. Oder im Spätsommer mit ihm zum Pilzefinden in den Wald gehen. Ich habe meine Leidenschaft für die schmackhaften Pilze in den Wäldern entdeckt und weiß mittlerweile auch, wann das Wetter besonders gut ist und welche wachsen.
Ebenso Michael Ende, der auch alles auf seine Art gegeben hat.
Aber da sind noch viele andere, Sybille Berg zum Beispiel oder Paul Auster, eigentlich alle, die mich durch ihre Persönlichkeit und durch ihr Werk berührt haben. Eine wundervolle Art von Austausch. Das haben wir nun davon, wenn wie uns gegenseitig nicht zuhören, dabei kommen die tollsten Künstler raus.

Ecrilis: Was wäre Ihr größter Wunsch als Autor?
S. B.-E.: Mit Wünschen muss man vorsichtig sein, denn sie können sich realisieren. Also ziehe ich es vor, sie genau zu formulieren und mich nicht einfach nur auf den Größten zu konzentrieren. Man erreicht alles in Etappen, der größte Wunsch folgt also, nachdem irgendetwas realisiert wurde, was ebenso wichtig und erfüllend ist. Ich würde sagen, mein nächster Wunsch als Autor ist, von meinen Texten befriedigend leben zu können, damit ich mich mehr auf das Schreiben konzentrieren kann und meine Texte besser werden.  Alles andere sehen wir dann.

Ecrilis: Welche Tipps würden Sie Jungautoren mit auf den Weg geben?
S. B.-E.: Tipps zu geben finde ich irgendwie pervers. Meine Kunst ist mit meinem Leben verbunden. Wer kann schon Tipps für ein Leben geben? Ich denke, an der Aussage, wenn man etwas erzählen und schreiben will, muss man etwas erleben, ist was Wahres dran, sonst läuft man Gefahr, dass der Text seelenmiefig wird. Ich schreibe nicht nur, sondern zeichne, fotografiere und habe Geige und Posaune gespielt. Klavier gehörte auch dazu, weil eins in meinem Elternhaus stand und es mich nach der Schule entspannte, darauf zu spielen. Ich habe vor, demnächst ein Lied zu singen und im Studio aufzunehmen. Ich lese sehr viel und recherchiere ständig. Ich gehe in Galerien, Ateliers und treffe mich so oft wie möglich mit meinen Künstlerfreunden und all den anderen Leuten, die sich in dieser Szene bewegen. Ich denke, wenn man Künstler ist und sich für ein kreatives Leben entscheidet, muss jeder seinen eigenen Weg finden, um sich zu realisieren. Im Grunde ist das für jedes Leben gültig, daher mag ich keine Tipps. Und wenn ich einen Einzigen geben würde, dann wäre das bezüglich Schreibanfänger, die aus welchen Gründen auch immer unbedingt ihre geistigen Ergüsse zu Papier bringen wollen, sollten jeder so viel wie möglich Literatur lesen, und zwar aus aller Welt. Nicht nur um seinen Wortschatz zu erweitern, sondern auch seinen Horizont, sich einfach selbst klar darüber werden, was man eigentlich sagen will. Wenn man einen Leser dazu bewegen will, sich stundenlang mit seinem Buch zu beschäftigen, dann sollte wenigstens eine klare Idee dahinter stehen.

Ecrilis: Wovon lassen Sie sich für Ihre Geschichten inspirieren?

S. B.-E.: Menschen und Begegnungen sind Elemente, die ein Leben bereichern und formen. Daraus entstehen Geschichten. Inspiration kommt durch genaues Beobachten. Beim Beobachten ist es wichtig, sich selbst völlig außen vor zu lassen, um zu sehen, was sich wirklich abspielt. Das ist eine Grundeinstellung von mir und mir ist aufgefallen, dass allerhand Leute so nicht leben, wahrscheinlich kommt die Inspiration daher. Und vielleicht ist das ein bedeutender Unterschied zwischen Künstlern und anderen Personen. Künstler werden oft als egoistisch beschrieben, worüber ich mir nicht ganz sicher bin. Kreative Arbeit erfüllt selten die Erwartung eines Gegenübers, sondern erfüllt sich selbst. So gesehen ist es egoistisch von einem anderen Menschen zu erwarten, sich so oder so zu verhalten, im Fall eines Künstlers, sich nicht in seiner Arbeit zu realisieren.

Ecrilis: welches Buch ist Ihr persönliches Lieblingsbuch?
S. B.-E.: Ich lese wirklich viel, ganz egal ob französische oder deutsche Texte, englische Poesie lese ich auch gerne. Es ist interessant, Texte zu verstehen, zu erleben, auch wenn man nicht mit der Meinung des Autors übereinstimmt. Ich habe kein Lieblingsbuch, viel eher eine Liste von Büchern, von denen ich mich nicht trennen möchte, und die ist sehr lang.

Ecrilis: Angenommen, Ihr Roman würde verfilmt werden: Welche Besetzung und/oder welcher Regisseur würde Ihrer Meinung nach Ihr Werk am besten umsetzen?
S. B.-E.: Mir gefällt die Idee nicht, meine Geschichten durch Namen von bekannten Schauspielern oder Regisseuren aufwerten zu wollen. Sowohl ein Schauspieler als auch ein Regisseur begeistern sich für ein Drehbuch und lassen es Wirklichkeit für die Leinwand werden. Wenn das Resultat gut ist, spiel es keine Rolle, welche Namen von Stars heute gerade gefragt sind. Außerdem ist die Vorstellungskraft jedes Lesers unglaublich wichtig. Ohne die würde ein Roman gar nicht funktionieren. Zum Beispiel: Ist es nicht viel angenehmer bei einer Liebeszene sich an die Hände eines Geliebten zu erinnern, als das sterile Bild von einem bekannten Schauspieler aufgedrückt zu bekommen?

Ecrilis: Schreiben Sie bereits an einem neuen Roman? Wenn ja, können oder möchten sie schon etwas darüber erzählen?
S. B.-E.: Ich arbeite ständig an neuen Geschichten, manche werden zu Romanen, andere zu Kurzgeschichten. Wozu sollte ich etwas darüber erzählen? Was das gelesen werden betrifft, stehe ich noch ziemlich am Anfang und außerdem schreibe ich auf Deutsch, was die Sache nicht vereinfacht. Ich würde sagen, lest doch erst einmal, was es schon von mir zu lesen gibt, danach sehen wir weiter.

Ecrilis: Wie gehen Sie mit einer Schreibblockade um?
S. B.-E.: Was genau ist eine Schreibblockade? Bedeutet das, wenn man an einer Geschichte nicht weiterarbeitet? Dann frage ich mich lieber, warum ich damit nicht weiter komme. Meistens sind es Zeitfaktoren, oder die Plätze im Zug sind unglaublich eng, dass mir kaum Platz zum Atmen bleibt. Ich schreibe nämlich meistens im Zug, auf meinen täglichen Reisen vom Wald von Fontainebleau nach Paris und zurück.
Es konnte auch sein, dass ich an einem Werk nicht weiter komme, weil mich etwas bedrückt, insofern es immer wichtig herauszufinden, wo die Ursache liegt, ist.
Oder bedeutet eine Schreibblockade, dass man überhaupt nicht schreiben kann, was für mich nicht zutrifft.

Ecrilis: Was ist für Sie für ein gutes Buch besonders wichtig?
S. B.-E.: Interessante Ideen, Kreativität und Präzision diese umzusetzen, Gefühl und Realität. Eine Geschichte kann hoffnungslos umkippen, wenn auf einmal die Rede von etwas ist, was so nicht sein kann. Ich beziehe mich auf praktische Details, wie zum Beispiel Fußwanderungen, Umgang von Pferden, Leben in einem diversen Lebensraum. Persönlich wird ein Buch für mich uninteressant, wenn ich merke, dass der Autor nicht genug recherchiert hat und etwas in seinem Text nur als Zierde benutzt, weil es sich seiner Meinung nach gut macht. Zum Beispiel – ein Abenteuerroman wirkt albern und uninteressant, wenn Pferde ein wichtiges Fortbewegungsmittel sind, der Schreiber von diesen Tieren und deren Haltung nicht die geringste Ahnung hat. Oder – eine Geschichte in einer Stadt, die der Schreiber nur aus Filmen oder Werbung kennt. Leider passiert so etwas verdammt oft besonders bei sogenannten Jungautoren.
Ein gutes Buch beinhaltet für mich einen authentischen, bereichernden Text. Wenn man als Autor Menschen dazu bewegen will, stundenlang einen Text von sich zu lesen, dann sollte man wenigstens eine wichtige Idee oder Aussage mit Gefühl rüber bringen.

 
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